*1975 in Nezdice (Tschechien)

seit 1998 in Wien

Studium Malerei am Institut für Bildende und Mediale Kunst, Diplom
Universität für angewandte Kunst, Wien
(Klasse Johanna Kandl)

Elena Steiner untersucht in ihren Werkserien einen jeweils unterschiedlichen Typ Mensch, sensibilisiert den Betrachter, konfrontiert ihn mit der kompromisslosen Demaskierung seiner eigenen und der Scheinwelt der Dargestellten durch Verletzung der illusionstragenden Leinwand-Oberfläche. Ihre im zeitaufwendigen, vielschichtigen Präzisionsverfahren erarbeitete realistische Acrylmalerei avanciert zur Metapher für Sein und Schein. Die Verletzungen in Form von Nähten, Maschen und Stichen – Inbegriff traditioneller weiblicher Rollenerfüllung – changieren in einer großen Bandbreite von liebevoll-hausfräulichen Stepp- und Strickarbeiten bis zu beängstigend aggressiv und schmerzhaft-gewalttätigen Vernähungen auf der Haut oder den sensiblen Lippen: Kompromisslos irritierend, schauderhaft schön! Der Antrieb für diese faszinierenden Ergebnisse ist eine immer wieder von Neuem aus einem anderen Blickwinkel geführte Auseinandersetzung mit den übergreifenden Fragen nach dem Wert der Erfüllung fremdbestimmter Wünsche, der sozialen Anerkennung und Selbstbestimmung. Es ist ein stetiges Hinterfragen der echten Möglichkeiten des Individuums und gleichzeitig das ständige Ausloten der Erweiterungsmöglichkeiten der Malerei. Elena Steiner hat ihren Weg gefunden: Ihre Applikationen von Objekten sind - den wegweisenden perforierten Leinwänden Lucio Fontanas ähnlich - ein Akt der konkreten bildräumlichen Öffnung der Leinwand und Ausdehnung der Bildfläche in den Raum hinein: Ein spielerisches Experimentieren mit den Grenzbereichen zwischen Malerei, Objekt, realem Ausstellungsraum und imaginativer Räumlichkeit. Elena Steiner fokussiert auf das menschliche Angesicht mit seinen unendlichen facettenreichen Mimiken, Gestiken, Posen durch raffiniert an den Betrachter herangetragene Ausschnitte, die Wahl der Formate und ganz intensiv durch die Blicke ihrer wie in Wirklichkeit für ein Fotoshooting vor dem Betrachter posierenden Protagonisten mit theatralisch-extrovertierter Attitüde. Ihre Werke bieten ein fesselndes Spiel zwischen Nähe und Distanz, zwischen undurchdringlicher Verschlossenheit und entblößender Vertrautheit, changieren zwischen der Welt des Glamours und der banalen Alltagswelt, unnahbarer Idealisierung, Verletzbarkeit und Menschlichkeit. Mit viel Gespür, scharfer Beobachtungsgabe, sozialkritischem Blick und meisterlicher Maltechnik wählt sie in der inhaltlichen Weiterführung des Gedankens von „Dividuum“ anstelle der stechenden Blicke stolze Posen, zufrieden zugeschlagene Augenlieder, weckt kontroverse Gefühle und enthüllt gnadenlos Gemütszustände. Das Ergebnis ist ein Herangezoomtes, scharf gestelltes, bissig-humorvolles Portrait des Menschen als sozialisiertes, sexualisiertes Wesen, des Menschen und seiner gesellschaftlichen Rollenzwänge, Genüsse, Erfüllungen und Sehnsüchte. Elena Steiners humorvolle Werke schenken aber vor allem auch Spaß am Sehen und lassen letztendlich für Interpretation alle Wege offen. Man darf auf weitere schauderhaft-charmant entblößende Ansichten des Menschen gespannt sein!                                                                                                                                                                                                                       Dr. Marta Cencillo Ramírez